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29.01.2014 19:01 Alter: 2 yrs
Kategorie: Theologisches Seminar St. Chrischona
Von: Michael Gross

Anders als gedacht

N. T. Wright erläutert auf Chrischona, wie der gekreuzigte Messias die Erwartungen doch erfüllt


N. T. Wright beim Studientag am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) im Januar 2014

N. T. Wright taucht beim Studientag am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) ins hebräische und griechische Denken ein und zeigt das geschichtliche Umfeld von Jesus auf. Seine Botschaft: „Wir dürfen nicht ausser Acht lassen, wie die Leute damals gedacht haben.“

Theologische Podiumsdiskussion beim tsc/STH-Studientag mit N. T. Wright im Konferenzzentrum St. Chrischona

Theologen im Diskurs: N. T. Wright stellt sich Schweizer Theologen in einer Podiumsdiskussion.

Studenten des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc) diskutieren über N. T. Wrights Voträge beim tsc/STH-Studientag am 27.01.2014.

N. T. Wright hat viel Gesprächsstoff hinterlassen – auch bei den Studenten des Theologischen Seminars St. Chrischona (tsc).

Wie sahen in biblischer Zeit Israels Erwartungen an das Kommen des Messias aus? Und wie hat Jesus sie erfüllt? Die Zeitreise ging weiter beim zweiten Studientag am 27. Januar 2013 auf Chrischona mit dem britischen Theologen Nicholas Thomas Wright. Diesmal veranstaltet vom Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc) und der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH). Rund 400 Teilnehmer folgten den Vorträgen unter dem Thema „der gekreuzigte Messias“ im grossen Saal des Konferenzzentrums St. Chrischona.

Vorhersagen erfüllt – aber anders als gedacht

Gott wird einmal König der ganzen Welt sein, wird zurückkehren in den wieder errichteten Tempel. Das erwartete Israel als das Volk Gottes. Nachzulesen etwa in den Psalmen und den prophetischen Büchern des Alten Testaments. Wie haben sich die Menschen in biblischer Zeit die Rückkehr Gottes und seine Königsherrschaft vorgestellt? Zwei Ereignisse mussten eintreffen, damit das Reich Gottes anbricht, erklärt Opens external link in new windowN. T. Wright: Erstens der Triumph Gottes über die Feinde Israels und zweitens seine Rückkehr in den Tempel. Dasselbe Muster werde deutlich zum Beispiel in Königs-Bewegungen in Israel im 1. und 2. Jahrhundert: das Reich Gottes werde komplett, wenn der Feind besiegt – damals das Römische Imperium – und der Tempel aufgebaut ist. Die historische Forschung ist für Wright ein Schlüssel, um die Aussagen der Bibel zu deuten.

Im Neuen Testament verbinden alle vier Evangelien diese zentralen Themen: die Rückkehr Gottes in den Tempel und den Messias als König. Aber wie Jesus auftrat, entsprach nicht den Erwartungen der damaligen Zeit. Kein Wunder, dass ihn seine Jünger häufig nicht verstanden. „Im Johannes-Evangelium begegnen uns Missverständnisse auf jeder Seite“, lehrt N. T. Wright. Mit Jesus erfüllten sich zwar die Vorhersagen der Propheten – aber nicht so, wie es das jüdische Volk erwartet hatte. Trotzdem bricht mit Jesus, mit dem Kreuz, das Reich Gottes an. Die Evangelien erzählen die Geschichte von der Rückkehr Gottes in den Tempel und die Königsherrschaft des Messias, so Wright. Aber eben anders, als damals erwartet.

Von der „wahren Schlacht“ und dem „wahren Tempel“

Mit dem Tod am Kreuz und Opens external link in new windowseiner Auferstehung schlug Jesus die „wahre Schlacht“, nämlich die Schlacht gegen den wahren Feind: nicht Rom, sondern Satan. Jesus schlug diese Schlacht mit Liebe, nicht mit Gewalt. Und Gottes Rückkehr in den „wahren Tempel“ werde in dem Jesus-Wort deutlich: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Mit der „agape“, der Liebe Gottes, schliesst N. T. Wright das inhaltlich dichte Programm des Studientages. „Wenn wir nicht persönlich ergriffen sind vom Kreuz und von Jesus“, sagt er, „dann ist das alles nur eine nette Theorie.“ Kreuzigung und Auferstehung Jesu haben für N. T. Wright aber auch eine „kosmische Dimension“: als Beginn des Reiches Gottes, als Wendepunkt in der Weltgeschichte. „Wir sind der wahre Tempel, in dem Gott wohnt“, sagt Wright, „damit durch uns Menschen erste Anzeichen erkennen, wie es einmal im Himmel sein wird.“

„Das alles erst mal verdauen“

Fazit einer Opens internal link in new windowtsc-Studentin zum Studientag: „Das muss man erst mal alles verdauen“. Das stimmt. N. T. Wright hat die Teilnehmer beeindruckt mit seinem Wissen um die biblischen und historischen Zusammenhänge. Und er hat die Studenten dazu angeregt, wieder mehr über die Zeit von damals nachzudenken.

Online (siehe verlinkte Mitschnitte) können Sie alle Vorträge von N. T. Wright auf St. Chrischona nachhören. Für all jene, die theologisch tiefer bohren wollen und N. T. Wrights theologisches Denken interessiert – und als Hilfe für jene, die die Studientage nun zu „verdauen“ haben.